10. Internationales Fünf Seen Film Festival 2016

Begonnen hat es schon, das Fünf Seen Film Festival. Gestern fand der Eröffnungsfilm “El Olivo – Der Olivenbaum“, ein spanisch-deutsches Roadmovie, in Starnberg begeisterten Anklang. Bis zum 07. August bleibt noch Zeit, den einen oder anderen Film zu sehen. Matthias Helwig und sein Team bieten auch dieses Jahr wieder ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm. Die Inhaltsangaben zu den Filmen offenbaren Geschichten die berühren, unterhalten, aufrütteln. Beim Durchstöbern des Programms ist mir zum Beispiel ein Film aufgefallen, der einen Kinobesitzer in der rumänischen Provinz zeigt, der aufopferungsvoll um den Erhalt seines  Filmtheaters kämpft: „Cinema, mon Amour“. In Rumänien sind die Kinos vom Aussterben bedroht. Oder Barakah meets Barakah, ein saudi-arabischer Film, von denen es ja nicht so viele gibt. Der Inhalt der romantischen Komödie ist vielversprechend!  Und dann gibt es einen Film, der wie die Utopie einer besseren Gesellschaft klingt: Un paese di Calabria. Ein kleines Dorf in Kalabrien, Riace, drohte in den neunziger Jahren durch die Abwanderung in den Norden auszusterben. Auf einmal strandete ein Schiff mit 200 Kurden. Seitdem zieht der Ort Einwanderer aus verschiedensten Teilen der Erde an. Der idealistische Bürgermeister nimmt die Menschen auf und teilt ihnen leerstehende Häuser zu. Es stehen Wahlen an, und einige wollen den Bürgermeister und die Fremden loswerden. „Wie in einer neorealistischen Erzählung von Vittorio De Sica werden das Dorf Riace und seine Bewohner zum Schimmer einer Hoffnung einer auf eine bessere Zukunft“. So steht es auf der Festival-Seite. De Sica, da denke ich an den Film „Fahrraddiebe“, der mich fasziniert und berührt hat. Auch diesen Film, „Un paese di Calabria“, würde ich gerne sehen.

Toni Erdmann möchte ich nicht vergessen zu erwähnen. Ein deutscher Film von Maren Ade, der beim Filmfest von Cannes viele Lorbeeren erhalten hat. Ich habe ihn kürzlich schon gesehen. Es lohnt sich! Eine Vater-Tochter-Geschichte, beide sehr unterschiedlich, die manchmal sehr lustig, manchmal sehr ernst ist.

Neben vielen interessanten neuen Filmen werden eine Menge Klassiker gezeigt. Night on Earth von Jim Jarmusch zum Beispiel, einfach nur cool. Oder „Abwärts“, eine Art Kammerspiel mit dem kürzlich verstorbenen Götz George und Hannes Jaenicke. Im Mittelpunkt stehen zwei Männer, die um eine Frau buhlen und sich dennoch arrangieren müssen, als sie zu viert in einem stecken gebliebenen Aufzug eingeschlossen sind. Am 06. August in Hochstadt gibt es einen weiteren Leckerbissen:  Anton G. Leitner liest eigene Lyrik, und anschließend geht es auf der Leinwand in „Schwarze Katze, weißer Kater“ von Emir Kusturica sehr turbulent und verrückt zur Sache.

Ehrengäste des Festivals sind Doris Dörrie und der serbische Regisseur Goran Paskaljevic, einer der bekanntesten serbischen Filmregisseure. Den einen oder anderen Film aus dem Oeuvre der beiden auf dem Filmfest zu sehen, würde mich reizen.

Hat das Festival auch was mit Politik zu tun? Ich denke schon. Filme zeigen Gesellschaft(en) und bewegen Gesellschaft(en), und die Politik handelt für die und mit der Gesellschaft, im Idealfall. Aber Filme sind eigenständig und dürfen das sein, in freien Gesellschaften. Sie wehren sich gegen Vereinnahmung durch die Politik, sie erzählen Geschichten und Geschichte aus ihrer Sicht. Das ist oft die Sicht der Menschen, die sonst nicht zu Wort kommen, sogenannte Außenseiter, Randfiguren und einfache Leute. Es ist gut, dass Filme ihnen eine Stimme geben oder ihre Perspektiven einnehmen.

Hier noch Links zum Filmfest, eigentlich ist hier ohnehin alles wunderbar beschrieben!

Seite Filmfest: http://www.fsff.de/home/cm/fff-current-list/index.html

Interview mit Matthias Helwig Münchner Feuilleton: http://www.fsff.de/home/cm/fff-current-view-copy/view.html?cid=9877

Cineastischer Blick auf Serbien, Süddeutsche Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/wolfratshausen/fuenfseen-filmfestival-cineastischer-blick-auf-serbien-1.2999717

Viele Grüße,
Daniel Büttrich

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.