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Kurzweiliger Abend mit Christian Ude

Bericht von Daniel Büttrich zum diesjährigen Neujahrsempfang

Der diesjährige Neujahrsempfang der Gilchinger SPD bescherte den zahlreichen Gästen im Oberen Wirt einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend. Christian Ude`s kabarettistischer Vortrag bildete den Höhepunkt eines abwechslungsreichen und anregenden Programms.

Die Kreisvorsitzende Julia Ney nannte in Ihrer Ansprache Zahlen zur Flüchtlingskrise. Die Verschuldung des Kreishaushalts werde von 4,6 auf 64 Millionen ansteigen. Im gleichen Atemzug appellierte sie eindrucksvoll an das Verständnis der einheimischen Bevölkerung für die vor Krieg und Elend geflüchteten Menschen.

 

Der Ortsvereinsvorsitzende Christian Winklmeier gab dem Aufruf eine lebendige Facette, als er einen Text der in Gilching und München in der Flüchtlingshilfe engagierten Kerstin Königbauer vorlas. Die junge Frau schildert anschaulich Eindrücke aus dem Flüchtlingscamp in Slawonski Brod in Kroatien.

 

Zum Thema Flüchtlinge sprach auch die Leiterin des Helferkreises Asyl in Gilching, Eva Ott. Sie bedankte sich bei den aktiven Bürgerinnen und Bürgern und berichtete unmittelbar von ihren Erfahrungen. Enttäuscht äußerte sie sich über die Arbeit des Landratsamts, dessen Sozialarbeiter sich nur bei der Einrichtung der Erstaufnahme-Unterkunft Mitte November gezeigt hätten. Angesichts des hohen und aufopferungsvollen Engagements der Vertreter des Helferkreises, nicht zuletzt von Frau Ott selbst, sieht man sich vom Landratsamt freilich umso mehr im Stich gelassen: „Momentan leisten wir die gesamte sozialpädagogische Arbeit hier allein, ohne das Landratsamt.“ Sie nannte weitere Beispiele, die die Kommunikation der Behörden als stark verbesserungswürdig erscheinen lassen.

 

Und natürlich darf der nicht fehlen, der dieser Veranstaltung sein Gesicht geliehen hat: Der Münchner Altoberbürgermeister Christian Ude. Sein Vornamensvetter Christian Winklmeier kündigte den politischen Satiriker und herausragenden Redner launig als „coole Sau“ an, die bei der Wahlkampftour trotz Stress und Termindruck lässig die Münchner Silhouette als Autogramm gezeichnet habe. Zunächst erläuterte Ude, warum er nicht Ex-Oberbürgermeister genannt werden möchte. Er habe sich im Kreis von Kommunalpolitikern einst beschwert, was für ein dummer, altbackener Ehrentitel jener des „Altoberbürgermeisters“ sei. Darauf erwiderte ein CSU-Kollege: „Christian, deine Ex ist einfach nur weg vom Fenster. Aber deine Alte hat immer noch das Sagen!“ Dies habe ihn überzeugt, dass der Titel „Altoberbürgermeister“ besser sei als jener des „Ex-Oberbürgermeisters“.

Ude ersparte seiner Partei einen Tag nach dem Bekanntwerden der schlechten Umfrageergebnisse in Bayern weitere Qualen und verzichtete auf politische Anmerkungen zur Verfassung der Landes-SPD, weshalb die Mundwinkel im Publikum auch oben blieben. Er erwies sich vielmehr als unterhaltsamer und selbstironischer Anekdotenerzähler. Für ausgelassene Heiterkeit unter den Gästen sorgte er, als er von seinem gemeinsamen Talkshowauftritt im Bayerischen Fernsehen mit dem Show-Sternchen Nadja Abd el Farrag berichtete. Sein erster Blick fiel seinerzeit in ihren freiherzigen Ausschnitt. Beim Anblick der üppigen künstlichen Brüste rief er spontan „Öha!“ aus. Um weiteren Peinlichkeiten aus dem Weg zu gehen, verpflichtete er sich während der Talkshow dazu, seine Augen unter keinen Umständen versehentlich auf „Naddels“ Busen zu richten. Als „Naddel“ im Gespräch mit dem Moderator erzählte, wie sie auf den Kopf gestellte Teetassen mit Schokopudding mit Preiselbeeren versehe, um ihre Brüste darzustellen und Dieter Bohlen zu gefallen, erinnerte sich Ude, wie er als kleiner Junge mit dem Löffel durch den Schokopudding gefahren war…. Von diesen Themen komplett in eine gedankliche Parallelwelt entführt, fand er seinerzeit nichts unpassender als am Ende der Sendung über seinen verstorbenen Freund Helmut Fischer sprechen zu müssen.

 

Um den Bogen in unsere Gegenwart zu spannen und für eine offene Begegnung der Kulturen zu plädieren, erzählte Christian Ude noch jene Geschichte, die im Jahr 1972 im Osten der Türkei begann. Er begleitete damals einen Freund, der für eine Zeitschrift Wölfe in freier Wildbahn fotografieren sollte. Im hintersten Hinterland Ostanatoliens begegnete ihm plötzlich ein Türke, der problemlos Münchner Straßennamen aufsagen konnte. Es handelte sich um einen Gastarbeiter, der als Straßenfeger tätig war. Mit der Familie von Ali Kilic freundete sich Ude schließlich an. Und an dem Tag, als sein Nachfolger Dieter Reiter ins Oberbürgermeister-Amt gewählt wurde, rief ihn Ali an. Er sei soeben zum Bürgermeister eines Stadtteils in der asiatischen Hälfte von Istanbul gewählt worden, ob er ihm nicht jetzt, da er Rentner sei und Zeit habe, beratend zur Seite stehen könne? Ude sagte zu, beim Aufbau der Messe nach dem Vorbild der Münchner Messe mitzuhelfen. Was sagt uns diese Anekdote? Menschen unterschiedlicher Kultur können füreinander eine Bereicherung sein. Mehr noch: Sie können sich verstehen, sie können Freundschaften schließen. So endete der Abend mit einer großen Botschaft, von der ganz unaufdringlich und unscheinbar berichtet wurde. Wenn sich unterschiedliche Kulturen im Alltag mit Wort und Tat und offener Neugierde begegnen, werden sie füreinander verständlich. Bei diesem humorvollen Neujahrsempfang schwang viel Nachdenkliches mit, denn die Gegenwart erscheint Vielen belastend, unsicher und reich an Problemen. Doch vor einem grauen Hintergrund lässt die Anekdote der Freundschaft mit einer türkischen Familie ein hoffnungsvolles, buntes Bild aufscheinen. Aus „Wir schaffen das“ könnte „Ihr schafft das mit uns“ oder „Wir schaffen das gemeinsam“ werden.

 

Pressespiegel

2 Kommentare
  1. Elena Heckel
    Elena Heckel says:

    Das war ein wunderschöner Abend und ich möchte mich vom Herzen bei den Organisatoren dafür bedanken. Christian Winklmeier ist ein toller Redner, der optimal für einen spannenden Abendstart sorgte und sein Namensvetter, der „rote Lump“, Christian Ude, überraschte mich wieder mal positiv und begeisterte mit seinem raffinierten Humor. Leider musste ich mit meinem Kind früher Heim, daher kann ich nichts zu den Anderen sagen. In jedem Fall hat sich der Abend für mich alleine schon wegen dem humorvollen Programm gelohnt. Politik kann eben auch Spaß machen. Der Abend motivierte mich persönlich sehr. Nochmals vielen Dank dafür!

    Antworten
    • Christian Winklmeier
      Christian Winklmeier says:

      Liebe Frau Heckel,

      ganz herzlichen Dank für Ihre nette Rückmeldung zu unserem Neujahrsempfang. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Besucher (und auch Christian Ude) den Abend genießen konnten. Jedes Jahr werden wir Christian Ude wohl nicht bei uns begrüßen dürfen, aber wir werden auch im nächsten Jahr sicherlich einen guten Redner präsentieren können. 😉 Ansonsten sind Sie natürlich auch immer herzlich eingeladen, uns auch bei anderen Veranstaltungen zu besuchen. Das Programm können Sie unserem Flyer entnehmen. Morgen gehen wir z.B. Billardspielen, am 18.2. tagt der Ortsverein und und und…

      Ihnen alles Gute für dieses Jahr und vielleicht bis bald!

      Christian Winklmeier

      Antworten

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